Ist Codecheck vertrauenswürdig?

Immer mehr Verbrauchern ist es wichtig, ausgesuchte Produkte bewerten zu lassen. Zu diesem Zweck stehen mittlerweile Tools und Apps wie etwa Codecheck zur Verfügung. Kritische Konsumenten stellen sich dabei nicht selten die Frage: Ist Codecheck vertrauenswürdig? Und, wer steckt dahinter?

Immerhin werden hier explizit Kaufentscheidungen beeinflusst. Somit ist es verständlich, wenn auch Du Interesse daran hast, Hintergründe und Fakten bezüglich Codecheck zu erfahren. Immerhin geht es hier um Aufklärungskonzepte und Transparenz. Es ist nur verständlich, dass verantwortungsbewusste Verbraucher ihre Produkte hinsichtlich Verträglichkeit, Gesundheit, Nachhaltigkeit und dergleichen prüfen möchten.

Inhaltsstoffe aufdecken

Codecheck selber versteht sich als nützliche App. Diese soll dabei helfen, Inhaltsstoffe zu dechiffrieren und dem Verbraucher verständlich zu machen. Dabei kann es um Kosmetik oder Lebensmittel gehen. Die Handhabe ist dabei einfach: Du scannst den Barcode des Produkts und dir stehen schließlich die wichtigsten Daten zu diesem Produkt zur Verfügung. Bei Bedarf kannst du auch extra ein eigenes Profil anlegen.

Codecheck vertrauenswürdig
Abb. 1

Wie funktioniert Codecheck genau?

Deine Produkte kannst Du von Codecheck mit einem sogenannten Ampelprinzip (Bewertungskreis) bewerten lassen. Das erleichtert die Prüfung, denn Laien finden sich eher selten zurecht, wenn es um Fachtermini und Fremdwörter in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie geht.

Das Ampelsystem hingegen lässt auf einen Blick erkennen, wie es um die Verträglichkeit, Umweltproblematik und Qualität eines Produkts steht. Auf den ersten Blick scheint die Prüfung insgesamt sehr einfach. Bis zu einem gewissen Grad ist sie das auch.

Wer dann bezüglich der Informationen in die Tiefe gehen möchte, hat es dann nicht mehr so leicht. Das gilt vor allem für jene Quellen, welche zur Bewertung der Produkte herangezogen werden.

Unterteilt werden die Produkte farblich von unbedenklich bis zu sehr bedenklich in einem Bewertungskreis. Grün steht symbolisch für ein positives Ergebnis und Rot für ein eher negatives. Codecheck bewertet zum Beispiel Artikel mit Mikroplastik, Palmöl, hormonelle Wirksamkeit und dergleichen als sehr negativ.

Potenziell ungeeignete Produkte für dich persönlich

Bestimmte Stoffe grau dargestellt (Abb. 1) und sind kein Teil der positiven Bewertung. Wie erkennt man jetzt also, ob diese Inhaltsstoffe positiv oder negativ zu bewerten sind?

In Abb. 1 grau dargestellte Inhaltsstoffe

  1. Alcohol
  2. Citronellol
  3. Geraniol
  4. Parfum

Personalisierbarer Bereich in der App

  • Sind für dich bestimmte Aspekte in der Bewertung deiner Produkte besonders wichtig oder unwichtig?
  • Möchtest du Inhaltsstoffe meiden, weil du beispielsweise Allergien hast?
    (Duftstoffallergien, oder Empfindlichkeiten)

Für eingeloggte User ist die Bewertung noch etwas anpassbar (siehe Abb. 2).

Werden also, wie in diesem Beispiel, „Allergene Duftstoffe“ für die Bewertung aktiviert, so ist der Bewertungskreis danach immer noch komplett grün, aber ein rotes Warn-Symbol taucht daraufhin über dem Produkt auf (Abb. 3).

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Abb. 2
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Abb. 3

Codecheck bewertet zum großen Teil Umwelt-kritische Aspekte. Umwelt-kritisch ist aber nicht mit Hautunverträglichkeit gleichzusetzen.

Welche Quellen nutzt Codecheck?

Damit Du ein vollständiges Bild einer App und seiner tatsächlichen Relevanz hast, empfiehlt sich ein Blick hinter die Kulissen. So kannst Du beispielsweise die Quellenliste von Codecheck einsehen. Wer dann noch weiter recherchiert und diese Quellen genauer nachlesen möchte, findet diese dann in der Praxis nicht bzw. nur wenige.

Genannt wird dann die Europäische Kommission. Die wiederum gibt aber keine Bewertungen und Einschätzungen hinsichtlich der im Produkt befindlichen Stoffe. Selbst wenn Du einzelne verlinkte Studien finden kannst, steht hier die Quellenvalidität oft infrage, da sie oft aus dem Kontext herausgenommen worden sind.

Irreführend ist zudem die ständige Erwähnung der wissenschaftlichen Abteilung. Es stellt sich dem Suchenden die Frage, wer für die Einschätzung bzw. Bewertung verantwortlich ist. Die aufgelisteten Wissenschaftler arbeiten jedoch für Oeeda (Codecheck Insights). Dabei stellt diese AG ein Marktforschungsunternehmen von Codecheck selbst dar.

Wünschenswert sind sicherlich aber immer auch verschiedene unabhängige Unternehmen, damit der Werbefaktor einer App weitgehend ausgeschlossen werden kann.

Marktforschung oder Werbung?

Der Faktor der Marktforschung ist bei Codecheck auf einen Blick ersichtlich. Darüber hinaus gesellt sich aber ein gewisser Werbeaspekt hinzu. Das erkennst Du an den vorgeschlagenen Alternativprodukten.

In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage nach der Glaubwürdigkeit dieses Dienstleisters. Sind die Produktvorschläge wirklich relevant und bieten einen Mehrwert? Oder geht es letztendlich um bezahlte Werbung?

Auf den Gedanken könnten kritische Verbraucher durchaus kommen, denn Codecheck stellt diesen auch Fragen zu ihrem Kaufverhalten oder Bewertungskriterien. Wenn Du also nicht genau weißt, was insgesamt nun von dieser App zu halten ist, ist das absolut nachvollziehbar.

Natürlich ist es auch nicht ausgeschlossen, dass beide Modelle sich bedingen. Unter Umständen lässt sich relevante Marktforschung sicherlich mit bezahlter Werbung vereinbaren. Fraglich bleibt dennoch, welcher Aspekt bei einem Unternehmen im Vordergrund steht. Die Thematik ist dabei nicht neu: Geld oder Gewissen? Lässt sich tatsächlich beides zu gleichen Teilen vereinbaren?

Unabhängige Quellen nutzen

Konsumenten fühlen sich bei der Beurteilung eines Produkts in der Regel immer sicherer, wenn sie auf mehrere Quellen zurückgreifen können. Wichtig sind dann auch aus dem rein wissenschaftlichen Aspekt heraus erstellte Datenbanken.

Werbung und Marketingkonzepte stehen dann völlig außen vor. Empfehlenswert ist also, sich nicht nur auf Codecheck alleine zu verlassen, sondern auch andere Quellen zu nutzen. Das gilt nicht nur für den Umgang mit Lebensmitteln, sondern auch für Begriffe wie Clean Beauty.

Wenn Du berücksichtigst, dass viele Begriffe nicht geschützt sind, stellt sich auch hier die Frage nach der Relevanz einer solchen Bezeichnung. Bestimmte Begriffe auf den Produkten implizieren Wertigkeit und Qualität. Das Beste Beispiel ist hier sicher der Begriff „clean“.

Das Gleiche gilt für ein Logo, welches nach einem Testsiegel aussieht. Tatsächlich können sogenannte Tests aber immer auch vom jeweiligen Unternehmen selbst durchgeführt worden und somit manipuliert worden sein. Diese „Siegel“ sind daher oft irreführende Begriffe, stellen nicht selten reine Marketingstrategien dar.

Bewertung von Beauty Produkten

Nicht nur in der Lebensmittelindustrie kannst Du die Produkte mittels einer App bewerten lassen, sondern auch Beauty Produkte. Da der Begriff „clean“ nicht geschützt ist, fragst Du Dich vielleicht, wann eine Creme, Kosmetika und dergleichen tatsächlich clean oder eher schädlich sind.

Womöglich kennst Du auch solche Apps wie Tofox und hast Ihnen bisher bedingungslos vertraut und Dein Kaufverhalten davon abhängig gemacht. Auch hier gilt das gleiche Prinzip wie bei Codecheck. Nutze am besten wieder mehrere Quellen, auch wenn die Recherche zunächst Arbeit und Zeit kostet. Doch diese Investition lohnt sich, weil Du so dem Wahrheitsgehalt vertrauen kannst.

Das ist sicher vor allem auch für Allergiker oder Veganer bzw. Vegetarier sehr wichtig. Da es einem diverse Apps vermeintlich leicht machen, Inhaltsstoffe zu bewerten, ist die Beliebtheit dieser Anwendungen durchaus zu verstehen.

Fazit

Wenn Du wirklich wissen möchtest, was sich für Substanzen in den Produkten befinden und ob diese womöglich schädlich sind, kannst Du „Bewertungs-Apps“ wie Codecheck, Tofox und dergleichen zunächst mal auf ihre Relevanz hin prüfen. Bevor Du also den gesamten Hausrat in den Müll wirfst oder auf ein bestimmtes Produkt deiner Wahl verzichtest, schau dir am besten die zugrunde liegenden Quellen an, welche die jeweilige App für ihre Bewertungen nutzen.

Diese Quellen sollten am besten unabhängig sein und nicht dem jeweiligen Unternehmen gehören. Diese Herangehensweise empfiehlt sich für Apps, die Lebensmittel bewerten und für Kosmetikprodukte.

Im Hinterkopf sollte stets die Frage präsent sein, inwieweit die App (der Dienstleister) reine Marktforschung betreibt oder doch eher Werbung, die von anderen Unternehmen bezahlt wird, damit ihre Produkte bei der Bewertung den Vorzug erhalten.

Eine gesunde Portion Skepsis schadet nie. Sicherlich müssen auch App-Anbieter ihre Projekte finanzieren, wenn der Endverbraucher sie kostenlos nutzen will.

Die Refinanzierung kann dabei zum Beispiel über Ads laufen, Marktforschung und letztendlich generell über Werbung. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Refinanzierung und Monetarisierung nachvollziehbar. Auf die jeweilige Gewichtung kommt es dabei aber an und diese ist als Verbraucher nicht auf den ersten Blick zu erkennen.

Daher sollten Verbraucher vor Nutzung solcher Apps nach deren aussagekräftigen Quellen recherchieren. Zudem stehen die Zutaten ja auch auf jedem Produkt selbst und können im Zweifelsfall ebenfalls zur eigenen Bewertung eines Produkts herangezogen werden. Für eine erste Orientierung hilft eine solche App aber sicher gut.